Scharlatanerie an der Kinderklinik Gelsenkirchen 

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen, Düsseldor, 23.06.2020

 

An der Kinderklinik Gelsenkirchen (KKG) hat sich ab 1980 zur Behandlung von Asthma und Neurodermitis eine sektenartige Abteilung etabliert, die bis März 2007 von Prof. Dr. med. Ernst August Stemmann geleitet wurde. Stemmann war ein Anhänger der „(Germanischen) Neuen Medizin“ des Krebsscharlatans Ryke Geerd Hamer. Mit einem positiven Gutachten Stemmanns zur gemeingefährlichen und anscheinend in nicht wenigen Fällen tödlichen Irrlehre Hamers macht die Hamer-Sekte bis heute Werbung. StemmannsGelsenkirchener Behandlungsverfahren“ wurde inzwischen von dessen Nachfolgern in „Multimediale-3-Phasentherapie“ und „Stationäre Komplextherapie“ umbenannt. Stemmann und dessen Bücher werden von seinen „Erben“ nicht mehr zitiert.

Nach Stemmann sowie dem Verhaltenstherapeuten Dietmar Langer (bekannt u.a. durch den Dokumentarfilm „Elternschule“) und dem Kinderarzt Dr. Kurt-André Lion, die seit 2007 die Psychosomatik-Abteilung der KKG leiten, werden alle Krankheiten durch eine Gefühlsverletzung verursacht:

„Die pädiatrische psychosomatische Behandlung bei allergisch / chronischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten

Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen/ Regulationsstörungen wie Ess- und Schlafstörungen

Hier handelt es sich um ein ganzheitliches Modell, das die eigentliche Ursache der Erkrankung sucht und darauf die Behandlung aufbaut.

Es vertritt die Meinung, dass die Ursachen einer Krankheit stets in einer Gefühlsverletzung liegen … “ http://archive.is/gXreO

(Der Verein AuK unterstützt die KKG seit 1988; Herr Langer leitet den wissenschaftlichen, Herr Dr. Lion den ärztlichen Beirat des Vereins.)

Asthma wird nach Hamer, Stemmann, Langer und Lion durch einen Revierkonflikt, Neurodermitis durch einen Trennungskonflikt verursacht.

 

Seit 1987 bzw. 1990 hat Prof. Stemmann verkündet, Neurodermitis und Asthma seien heilbar. 1999 behauptete Stemmann, 80% der allergiekranken Kinder würden innerhalb eines Jahres geheilt. Seit 2016 bewirbt die KKG ihr hochgradig esoterisches Therapieangebot wie folgt: „Der psychosomatische Ansatz bei der Behandlung von Neurodermitis, Asthma, Allergien in der Kinderklinik Gelsenkirchen versprach Heilung - zumindest in 87 % der Fälle. Das schien geradezu unglaublich. Doch es funktionierte.“ http://archive.is/SHVvb    

In Wirklichkeit werden diese angeblichen Heilungen nur vorgetäuscht, denn die drei bisher von der KKG präsentierten Studien zur Neurodermitis-Behandlung berichten nur über Besserungen des Hautzustands. Mangels Kontrollgruppe können noch nicht einmal diese Besserungen auf die teuren dreiwöchigen stationären Bemühungen der Klinik zurückgeführt werden. Die KKG spricht selbst von einer „Förderung der Spontanheilung“.

 

Zur in der Kinderklinik üblichen pseudomedizinischen Behandlung der Neurodermitis werden Säuglinge und Kleinkinder mehrmals täglich von ihren Müttern getrennt. Darüber hat sich 2017 die Großmutter eines damals 6 Monate alten Säuglings bei der ÄKWL und ihrer Krankenkasse beschwert. Die ÄKWL ist 2019 zu dem Schluss gekommen, die Behandlung sei leitliniengerecht gewesen, ein Behandlungsfehler liege nicht vor. Zu einer gegensätzlichen Einschätzung ist jedoch im Auftrag des MDK Berlin Brandenburg kürzlich die Dermatologin Dr. Carla Pistorius in ihrem Gutachten zu dieser Beschwerde gekommen:

 

„Komplementärmedizinische Verfahren müssen nach Vorliegen kontrollierter Studien jeweils evaluiert werden, dann kann ihr Einsatz empfohlen werden. (S. 7) … Die Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen bietet ein von den aufgeführten Fachgesellschaften abweichendes Behandlungskonzept an. … Die von der Klinik erwähnten Evaluationsstudien sind entweder nicht publiziert oder so klein, dass ihre Ergebnisse nicht valide sind. Das in der Kinderklinik angebotene Behandlungskonzept entspricht nicht den Empfehlungen der aktuellen Leitlinien zur Neurodermitis. Das gilt sowohl für das Verständnis der Krankheit als auch die vorrangig psychosomatischen Therapieverfahren. (S. 8) … In den genannten Fachgesellschaften wird das Gelsenkirchener Konzept sehr kritisch beurteilt und eine leitliniengerechte Therapie und Diagnostik empfohlen. (S. 9) … Aus dermatologischer Sicht waren die medizinischen Maßnahmen bei Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Leitlinie nicht indiziert. … Eine Alternative wäre eine leitliniengerechte ambulante oder stationäre Therapie.“ (S. 10)

Das Gutachten ist hier einzusehen: www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik/MDKBB-GA.pdf .

 

Während es seit 40 Jahren keinen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen der „Therapie“ gibt, sind iatrogene Schädigungen zu befürchten:

* Da die KKG bei Neurodermitis weitgehend auf eine Symptombehandlung durch Salben und Medikamente verzichtet, leiden Kinder wesentlich mehr als bei einer leitliniengerechten Behandlung.

* Viele Kinder und Mütter leiden schwer unter dem durchgeführten „Trennungstraining“.

­­* Viele Kinder und Mütter leiden unnötig unter einer radikalen Ernährungsumstellung (bei allen Kindern).

* Laut Prof. Höger (Spiegel, 7.3.2005, PSEUDOMEDIZIN Galilei aus Gelsenkirchen) waren Patienten wegen der Diät unterernährt und in ihrer Entwicklung zurückgeblieben.

 

Durch die traditionell leitlinienwidrigen Behandlungen wurden die Krankenkassen in den vergangenen 40 Jahren um viele Millionen Euro geschädigt. Der Gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen sollte diese aberwitzige Psychosomatik-Abteilung überprüfen und endlich dafür sorgen, dass die Kassen nicht mehr die Kosten für diese Scharlatanerie übernehmen. Außerdem sollten die umstrittenen Therapien bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten (Einschlafstörungen, Fütterstörungen, Schreien) überprüft werden.

 

Gegen die scharfe Kritik an der ominösen Gelsenkirchener Neurodermitis-„Therapie“, die die oben genannte Großmutter gegenüber dem Kinderschutzbund und auf Facebook-Seiten von Günter Wallraff sowie dem SWR geäußert hat, ist die Bergmannsheil und Kinderklinik Buer (BKB) gGmbH gerichtlich vorgegangen. Das Landgericht Berlin hat diese Klage am 25.2.2020 – mit Ausnahme eines Punktes – als unbegründet zurückgewiesen. Näheres hier: www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de/BKBvsMHB.pdf oder .htm.

 

Meine ausführliche „Chronik des Gelsenkirchener Klinikskandals“, bei dem viele staatliche und medizinische Organisationen bisher intensiv weggeschaut haben, ist hier einzusehen: www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de oder www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de/Chronik.pdf .

 

Anschrift des Verfassers:

Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In der Donk 30

40599 Düsseldorf

wk@reimbibel.de

 

.